Hochschuldidaktik Sachsen
00:00:08: Liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhöre.
00:00:09: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Podcasts Travohaus Lehre.
00:00:14: und in unserer Mini-Vorbesprechung gerade haben Tom Glöh und ich festgestellt dass das tatsächlich Toms erster Auftritt in diesem Podcast ist.
00:00:22: Das hätte ich gar nicht für möglich gehalten.
00:00:24: Hallo Tom!
00:00:24: Ja hallo, guten Tag.
00:00:27: Aber was ist so?
00:00:29: Wir reden ein bisschen gleich über.
00:00:33: Arbeitstitel dieser Folge ist Erziehung nach Auschwitz von einem Radio-Vortrag vor sechzig Jahren zu einer lebhaften Diskussion unter Hochschuldidaktikerinnen und Hochschuldidaktikern heute.
00:00:46: Und wir tragen diese Diskussion, die wir in der Hochschulldidaktik Sachsen haben jetzt in diesen Podcasts und in diese ... Zu Ihnen und euch liebe Zuhörerinnen und Zuhürammer gucken was dabei rauskommt!
00:00:57: ... bevor wir damit aber starten, Tom.
00:01:00: Unsere übliche Frage zum Warmwerden... Was macht ein guter Hochschullehrer für dich aus?
00:01:06: Ja das ist ja wahrscheinlich eine Frage die im Hochschul- und Taktischen Podcast nicht fehlen darf.
00:01:11: Also ich würde sagen aus meiner Sicht also aus einer Person oder auch in der professionell gespeisten sich vielleicht noch als Hochschulletaktiker und auch ein bisschen Leererfahren dann würde ich sagen, gute Hochschulehre ist ne Lehre wo Lernende vielleicht danach sagen können, ja das hat was mit mir und mein gegenwärtigen und vielleicht zukünftigen beruflichen aber auch gesellschaftlichen Leben zu tun.
00:01:43: Und das heißt auch dass die lernenden Bezug zwischen der Sache oder den Kompetenzen, die vermittelt werden sollen sich selbst und ihrer Lebenswelt herstellen können.
00:01:58: Im Idealfall würde ich sogar sagen, wenn das im Seminarübungen oder Vorlesung passiert ist vielleicht die Sicht auf die Welt.
00:02:08: Danach mag es sein vielleicht nur ein Detail aber vielleicht etwas andere.
00:02:13: Vielleicht wurde eine Frage entschlüsselt oder eine neue Frage aufgeworfen.
00:02:18: Vielleicht wurden fachspezifisches Problem geklärt und man könnte auch sagen – oder ich kann es nochmal anders formulieren gut hochschuleere entmistifiziert vielleicht und klärt fachlich, aber auch darüber hinaus auf.
00:02:33: Ja so.
00:02:35: Das ist ja schon mal eine Messlatte und auch vielleicht ne Messlathe für uns und unsere weitere Diskussion heute weil so ein Beitrag zur Entmistifizierung leistet.
00:02:45: vielleicht diese Podcastfolge heute auch auf eine gewisse Art und Weise?
00:02:51: Vielleicht aber auch nicht.
00:02:52: keine Ahnung, vielleicht sehe ich das falsch.
00:02:54: einleitend für die Zuhörerinnen und Zuhörer vielleicht von mir noch, wie es zu dieser Folge und dieser Idee gekommen ist.
00:03:02: Wir haben in der Hochschule Daktik Sachsen eine Runde, die trifft sich so alle vier bis sechs Wochen.
00:03:08: da treffe ich mich für zwei, drei Stunden an dem Nachmittag mit allen wissenschaftlichen Mitarbeitenden Hochschuldidaktikerinnen und Hochschuldidaktikern die hier im Haus sitzen.
00:03:18: Das sind ja gar nicht alle der Hochschulldidaktik Sachsen sondern die, die hier in der Geschäftsstelle immer so dieses gesamte sächsische Netzwerk im Blick haben.
00:03:29: Wir überlegen uns immer mal wieder, wie halten wir dieses Meeting auch relativ aktiv und setzen in diesem Meeting auch Impulse die uns wichtig sind.
00:03:38: Weil es uns nicht darum geht dass das irgendeinen Reporting-Meeting ist.
00:03:42: jeder erzählt mal was er so macht damit ich weiß was machen die einzelnen Mitarbeiter hier im Haus.
00:03:48: Und zu Beginn des Jahres haben wir überlegt Das wäre doch ganz cool wenn immer Zu Beginn einer von uns einen Text vorliest Nicht vorließt sondern vorstellt den er oder sie gerade gelesen hat und der uns irgendwie beschäftigt.
00:04:04: Und du warst, glaube ich, der Dritte oder der Vierte in der Reihe, der das gemacht hat?
00:04:09: Und alle anderen haben so klassisch ... Ich habe da gerade einen neuen Beitrag von Ordner Tagung oder Konferenz mitgebracht, oder da ist ja grad eine neue Publikation erschienen.
00:04:19: Du hast dich dann aber entschieden, in die Publikationserziehungen nach Auschwitz und Erziehungsvermündigkeit noch mal reinzukucken von Adorno uns daraus was vorzustellen.
00:04:32: Warum ist es dir wichtig, dass Hochschuldidaktikerinnen und Hochschulidaktika gemeinsam noch mal auf diese Texte drauf schauen?
00:04:41: Also zur Vollständigkeit und vielleicht auch der Transparenz-Heiber kann ich vielleicht auch sagen das ich mich gefragt habe Mensch was mache ich denn jetzt mit der Textvorstellung?
00:04:52: Ich hatte natürlich wie das oft ist noch viele andere Sachen auf dem Tisch.
00:04:58: Im ersten Moment war die Motivation so, achso jetzt ja auch das noch vorbereiten.
00:05:04: und dann fiel tatsächlich meinen Blick auf dieses Buch was dir bei mir auf dem Schreibtisch liegt.
00:05:10: Vielleicht nicht das auch ein bisschen in meiner Fachgeschichte.
00:05:13: ich komme eben aus einem soziologischen historischen und auch politikwissenschaftlichen Hintergrund Und habe schon immer auch mich für kritische Theorie oder Adorno interessiert und später auch so ein bisschen zumindest soweit, dass sie Zeit zu ließ.
00:05:29: Dafür interessiert was die eigentlich zur Hochschule und Hochschulbildung und überhaupt Erziehung und Bildung zu sagen haben.
00:05:37: Und da habe ich gesagt okay warum muss man eigentlich oder es hat ja keiner gesagt das ich einen Text nehmen sollte?
00:05:43: Oder muss der jetzt ganz aktuell, brandaktuell ist oder jedenfalls was das Druckdatum angeht.
00:05:49: Brandaktuelles und habe im zweiten Schritt gedacht naja vielleicht ist ja Adorno noch brandaktuel und dass war mir in dem Moment jetzt gar nicht so klar ob es so ist oder ob es nicht so ist.
00:06:02: aber ich hab mich dann eben dazu entschieden diesen doch etwas angestrauten Text vorzustellen.
00:06:08: und also das hat glaube ich schon auch ganz aktuelle Gründe.
00:06:13: Ich glaube schon, dass wir im Moment in einer Zeit leben die ja von vielfältigen Krisen geprägt ist kann man glaube ich schon sagen und das wir als Menschen oder als Menschheit vor der Herausforderung stehen diese Krisen zu meistern wenn mir jetzt nur einmal den Begriff Klimakrise nennt.
00:06:32: Das ist vielleicht das was am allgegenwärtigsten ist aber es würden sicherlich noch andere Krisen einfallen.
00:06:38: Und in dem zweiten Schritt Kann es ja aber nicht nur darum gehen, diese Krisen irgendwie zu meistern.
00:06:45: Sondern sie zumeistern und dabei nicht der autoritären Versuchung zu erliegen?
00:06:52: Naja!
00:06:53: Und da sind einfach im Moment begründete Zweifel angebracht, dass das ohne Anstrengungen möglich ist.
00:06:59: Und vor diesem Hintergrund habe ich einfach gedacht Ja, es lohnt mal wieder ein Blick in dieses Buch zu werfen und das auch mit Zeitgenössernen und Kolleginnen der Profession zu diskutieren.
00:07:11: Und jetzt nicht, um eine allgegenwer- oder eine ewige Wahrheit da drin zu finden.
00:07:16: Sondern einfach, um herauszufinden was von dem, was damals gesagt wurde für heute vielleicht noch interessant sein kann und die kritische Thürie sich ja durchaus als Zeitdiagnostik verstanden hat.
00:07:26: Dann komme ich so zum letzten Punkt der mir dann in der Hinsicht noch so gegenwärtig geworden ist.
00:07:31: Der mir immer ein bisschen Bauchschmerzen bereitet, den ich auch vielleicht noch nicht so ganz formulieren konnte.
00:07:37: Also immer, wenn wir von Twenty First Century Skills oder Skills for Tomorrow oder Future Skills sprechen oder wie wir es eben nennen wollen.
00:07:47: Was ja auch wichtig ist also Menschen dafür bereit zu machen für das was auf sie zukommt fällt manchmal ein bisschen hinten runter erst mal sich zu gerne gegenwärtigen was eigentlich gerade ist eine Zeitdiagnostik und ja... Das war so die Idee dass man in diesem Zusammenhang auch da wo ich mal her reinschauen könnte.
00:08:09: Okay,
00:08:09: wenn wir uns jetzt an die Zeitdiagnostik machen würden wie zwei dann würde der Podcast glaube ich auf jeden Fall gleich so eine Dreißigminutenlänge sprengen.
00:08:16: es ist ja vielleicht sowieso ein bisschen anmaßend diese Diskussion in dreißig Minuten zu packen.
00:08:21: aber eine Konsequenz aus unserer Diskussion war eben auch dass ich gesagt habe Mensch eigentlich bietet sich total anders mal ne Podcastfolge zum Machen.
00:08:30: was ich tatsächlich in der Vorbereitung Methodisch spannend fand ist, dass es eben wirklich auf das Jahr genau sechzig Jahre her ist.
00:08:37: Dass diese Sache ja als Radio-Vortrag gestartet ist.
00:08:40: also Adorno ist ja auch in die populärwissenschaftliche Verbreitung gegangen weil es ihm irgendwie ein Anliegen war, dass nicht nur unter Akademikerinnen und Akademikern diskutiert wird was er dazu sagen hat sondern in die Breite getragen wird soweit ich das weiß und du bist da der Spezialist mehr als ich, eben die Grundlage gewesen für diese beiden Publikationen.
00:09:04: Du hast dann – weil du tatsächlich ja auch in diesem Geofix den wir da haben nur eine Viertelstunde dafür hattest -, dass nochmal zu so Thesen runtergebrochen, wo du sagtest, das wäre dir ein ganz guter Einstieg um mit uns Kolleginnen und Kollegen dazu zu diskutieren.
00:09:21: Magst du mal eine von diesen Thesen, die dir wichtig ist hier auch noch einmal benennen?
00:09:26: Also es waren, glaube ich, acht oder zehn Thesen.
00:09:29: Wir werden sie nicht alle besprechen können jetzt hier in der halben Stunde aber vielleicht fängst du einfach mal an?
00:09:34: Ja genau!
00:09:34: Es waren acht oder zehnt Thesen und wir haben ein paar jetzt so vorbereitet.
00:09:37: Vielleicht kann man ganz kurz... Ich meine Du hast das gerade schon angeschnitten, aber ganz kurz noch was zu dem Text sagen.
00:09:43: Der ist neunzehlt sechsundsechzig erschienen jedenfalls also erziehung nach Auschwitz des Texts und Erziehung zur Mündigkeit sehnundneinundsechszig.
00:09:51: Und was besonders spannend ist, dass am neunzehntfünfundsechzig Jahr der Ausschwitzprozess stattgefunden hat und das Urteil gesprochen wurde gegen zwanzig Menschen die in Auschwitz oder Täter in Auswitz waren.
00:10:04: Und man vielleicht sogar als Nezizur der Bundesrepublik sehen kann, dass eben passive Verdrängung und aktive Verleugnung so ein bisschen abgelöst wurde, dass das eben in die Öffentlichkeit kamen.
00:10:18: Ich glaube auch aus diesem Aus diesen Details, die ja auch in der Recherche und der staatsanweitlichen Anklage usw.
00:10:26: wurden ja auch Schriften von Überlebenden übersetzt
00:10:29: usw.,
00:10:30: dass das vielleicht sogar bei Adorno persönlich zu... Ja, auch noch mal jedenfalls was die Details der Einsicht angehen zu einem Schock geführt hat vielleicht sogar Und er eben da aufklarerisch tätig geworden ist und tätig werden sollte.
00:10:50: Auf jeden Fall ein ganz allgemeiner und wichtiger Ausspruch ist, warum es auch heute noch wichtig ist.
00:10:57: Ist der das eben Adorno Zuneßigtesow aufstellt.
00:11:01: Demokratie beruht auf Willensbildung jedes Einzelnen.
00:11:05: soll dabei nicht unvernunft resultieren sondern die Fähigkeit unter Mut des Einzelners sich seines Verstandes zu bedienen vorausgesetzt also wir brauchen eine willensbildung jedes einzelne wenn in der Demokratie eine vernünftige Demokratie entstehen soll.
00:11:24: und das würde ich sagen gilt ja auch heute auf jeden Fall.
00:11:28: Ja, was machen wir dann?
00:11:30: oder warum ist es wichtig dass wir uns als Hochschuldidaktikerinnen mit dieser These mal wieder beschäftigen?
00:11:37: Warum ist das für unseren Arbeitsalltag relevant?
00:11:41: Also ich glaube oder das was vielleicht wenn ich jetzt an unser an unser internes Meeting zurückdenke Und jetzt auch überlege, was allgemein im Moment für ein Diskurs – auch in der Hochschule und die Hochschulethaktik vorherrscht.
00:11:59: Ist das eben Hochschulpbildung nicht nur Fachbildung ist?
00:12:03: Sondern auch einen gewissen Beitrag dazu leistet – und das sagt ja auch das Hochschuleramengesetz -, dass sich junge Menschen in einem demokratisch liberalen Rechtsstaat einbringen und zurechtfinden können sollen.
00:12:17: Und deswegen, ja und das findet sich in Abwandelung in den Landeshochschulgesetzen ist es glaube ich wichtig, sich damit zu beschäftigen.
00:12:26: Ich glaube dass es lange lange Zeit vielleicht als nicht so relevant oder als Selbstläufer gesehen worden und möglicherweise ist es aus gegebenen Anlass im Moment ja, virulenter als zuvor.
00:12:42: Okay mir fallen zwei Sachen ein.
00:12:45: erstens noch zwar ein Schritt zurück, als du das gerade eingeleitet hast bis wir überhaupt zu dem Thema Willensbildung gekommen sind.
00:12:54: Für die Zuhörerinnen und Zuhörer vielleicht auch nochmal total spannend.
00:12:58: eine andere Ebene auf der wir daraus gucken Tom und ich.
00:13:01: Das können wir glaube ich verraten haben.
00:13:02: beide eine sind beide in der alten Bundesrepublik geboren.
00:13:06: Das heißt, diese hochschulische Geschichte und Bildungsgeschichte der Bundesrepublieg ist uns beiden wahrscheinlich vertrauter, obwohl wir jetzt beide in Leipzig sitzen.
00:13:15: Und das war interessanterweise auch in der Runde gleich eine Diskussion was da in den Sechzigerjahren in der BundesRepublik passiert ist und was ähnliches in der DDR passiert.
00:13:26: Wollen wir jetzt gar nicht weiter ausführen?
00:13:27: Aber auch das ist ja nochmal ne spannende Diskussions-Ebene die man weiter ausführen kann.
00:13:32: Wenn du jetzt grad das nochmal geschildert hast, die Herausforderung und die Bedeutung der Willensbildung jedes Einzelnen um eine Demokratie zu haben und Demokratie leben wie wir sie uns vorstellen.
00:13:45: Und was du ganz zu Beginn mal gesagt hast ist etwas, was ich ja auch häufig sage.
00:13:49: Was ich zum Beispiel persönlich lange gar nicht auf dem Schirm hatte, Demokratie ist auch verdammt viel Arbeit.
00:13:58: Ich gehöre zu der Generation an, Ende der siebziger Jahre geboren.
00:14:01: Demokratie war irgendwie immer so da und zu merken das ist Arbeit.
00:14:06: Und man sollte da wenn man in einer Demokratie leben möchte auch jeder einzelne von uns Arbeit reinstecken.
00:14:13: Ist glaube ich ein wichtiger Punkt?
00:14:15: Dann lasse ich dich gleich mal sagen...
00:14:17: Da könnte man einfach mit dem Auto um Dienstvergeht noch ergänzen.
00:14:20: also Er zielt darauf ab, auf einerseits – das ist ganz wichtig – es in der frühkindlichen Erziehung tätig zu werden.
00:14:27: Aber er sorgt auch ganz klar in der allgemeinen Aufklärung und damit meint er eigentlich, wenn man diese Grundeerliteratur auch paraphrasiert immer wieder politische Bildung und sich immer wieder einzubringen, auseinanderzusetzen, zu reflektieren.
00:14:42: Und letztendlich ist das eben auch ein Ort wo da stattfinden muss die Hochschule.
00:14:51: Das ist ja durchaus meine Wahrnehmung.
00:14:53: Gibt es dann Menschen, die darauf reagieren würden?
00:14:55: Ja aber was hat denn politische Bildung in der Hochschule zu suchen?
00:14:59: Du hast jetzt klar gesagt das ist eindeutig ein Auftrag in Hochschulen.
00:15:02: Kannst du das falls... Wir beide sind dazu sehr einer Meinung dass ich da jetzt die Gegenargumente fahren könnte Aber wir beide wissen um diese Gegenargumenten.
00:15:11: wenn die jetzt kämen wie würdest du den begegnen?
00:15:15: Naja zunächst würde ich glaube ich schon auf rechtliche Rahmenbedingungen verweisen Und nochmal klarmachen, dass es eben bei dieser Art der politischen Bildung oder der demokratischen Bildungs nicht um politische Arbeit im parteipolitischen Sinne geht.
00:15:36: Sondern eben im Sinne von Partizipationen, Urteilsfähigkeit, Gleichberechtigung, Antidiskriminierung eigentlich auch Dinge die im Grundgesetz verankert sind.
00:15:48: das wäre so glaube ich mein mein Argument dagegen und das passt jetzt natürlich ganz wunderbar, weil man auch wieder mit dem Autor sprechen könnte.
00:15:59: Man könnte die Autorität Adorno hervorholen Das, was er als steilste und vielleicht auch diskussionswürdigste und möglicherweise in der Geschichte der Bildungslösung schafft.
00:16:13: Auch umstrittendste These aufstellt dass eben die Forderungen das Ausschwitz nicht noch einmal sei die allererste an Erziehung
00:16:21: ist.
00:16:23: Und da das Theater geht weiter jede Debatte über Erziehungsideale ist nichtig und gleichgültig diesem Eingang über das Auschwitz sich nicht wiederhole.
00:16:32: Da muss man auch ganz klar sagen, dass es keine Laune von ihm wieder in diesem Radiobeitrag vorkommt.
00:16:39: Sondern das gibt's als in der negativen Dialektik eines seiner Hauptwerke kommt noch mal ein abgewandelter Form vor wo er seinen kategorischen Imperativ sozusagen formuliert, der dann lautet Hitler hat den Menschen im Stande ihrer Unfreiheit einen neuen kategorischen Imperativ aufgezogen.
00:16:59: Ihr Denken und Handeln so einzurichten, dass ausschrittlich nicht wiederhole nichts ähnliches geschehe.
00:17:03: dieser Imperativ ist so widerspennt sich gegen eine Begründung wie einst die Gegebenheit des Kantischen.
00:17:09: Genau also das betonte auch an verschiedenen Stellen.
00:17:14: diesen Imperativ überhaupt begründen zu wollen ist so ungeheuerlich.
00:17:18: oder Die Ungeheurerlichkeit des Geschehenen die reine Evidenz dessen führt eigentlich schon dazu, dass man das gar nicht begründen muss.
00:17:27: Das ist jedenfalls seine These.
00:17:29: Ja du hattest auch als einer der Thesen die habe ich mir hier noch aufgeschrieben dabei Auschwitz ist die Barberei Die Bedingungen lebt in der Gesellschaft vor Ort?
00:17:38: Ganz genau!
00:17:40: Das ist dann eben das Problem an der ganzen Sache, sage ich jetzt mal könnte man ja sagen ja okay auschwitz soll sich nicht wiederholen Das war ein einmaliger Unfall oder Einzelfall.
00:17:53: Das wird schon nicht passieren, aber das genau ist Teil seiner Ausführung auch der beiden Texte dass es eben tief ins Bewusstsein und jetzt ob ich dann Zitat bewusst sein und unbewusst sein jedes einzelnen Menschen und des Zivilisationsprozesses eingeschrieben ist, dass sich eben dialektisch in diesem Zivilizationsprozess die wahre Aufklärung Aufklärung und die Barbarei aufhebt.
00:18:22: Und das ist dann eigentlich die zweite These, die ich aus dem Text für mich rausgearbeitet habe.
00:18:29: Auschwitz eben kein Rückfall in die Barbarye ist sondern die Möglichkeit zu dieser Barbary existiert in der Zivilisation fort.
00:18:39: Deswegen ergibt sich die Wichtigkeit auch dessen bewusst zu werden und auf verschiedenen Ebenen sich dagegen zu... oder dafür zu engagieren, dass es eben nicht mehr sei.
00:18:57: Na ja, man könnte ja sehr naiv daran gehen und sagen, naja also auf dem Gelände wird schon das Gleiche nicht wieder passieren wenn man jetzt wirklich den Ort ausschwitz nimmt.
00:19:08: aber es ist viel ab... Überall da und es ist überall die Option, dass etwas anderes passiert.
00:19:16: Was aber das Gleiche oder dem ähnlich ist was wir eigentlich mit Ausschwitz als wie Adorno sagt, als Barbarei konstatieren können als geschichtlichen Fakt?
00:19:28: Genau also das ist dann eben die dialektische Seite oder die destruktive Seite der Situation oder der Aufklärung.
00:19:35: Und er nennt selber zwei historische Beispiele, ein vergangenes historisches Beispiel der Völkermord an den Armeniern.
00:19:42: Wo er auch noch mal ganz klar anprangert die deutschen Behörden und Konsulate wussten was vor sich geht und es wurde nichts unternommen.
00:19:55: Es ist auf gar keinen Fall eine Gleichsetzung.
00:19:56: aber es ist eben eine gleiche Logik dieses destruktiven Potenzials die Drohung mit der absoluten Vernichtung der Atombombe.
00:20:06: Und das ist ja auch was, was man also gerade vor nicht langer Zeit jedenfalls wieder beobachten konnte.
00:20:12: Kann man sich erstreiten?
00:20:13: Okay war das eine Drohungen auf einer strategischen Ebene oder... Aber da steht die Welt natürlich nach wie vor ein destruktives Potenzial zur Verfügung, was unbeschreiblich ist.
00:20:25: Ja und du hast einleitend eine Krise erwähnt Die Klimakrise.
00:20:29: es gibt ja auch genug die eben einfach sagen es geht eben um diese Situation von Poli-Krisen und sich in diesen Polikrisen auch als Akademikerinnen, Akademika, als Studierender, als junger Mensch dann eben auch zurechtzufinden.
00:20:43: Aber eben auch die Frage welche Rolle haben wir dort?
00:20:46: Die Hochschullehre begleiten und Lehrentwicklung mitgestalten?
00:20:49: Ich war selber ja vor einigen Wochen auf der Eissertagung.
00:20:53: Ich habe für mich die Brücke geschlagen, als du dann deine ... die Thesen vorgestellt hast und deine ... Die Literatur vorgestellt hat mit der du dich auseinandergesetzt hast.
00:21:04: Dass dort eben ein Kollege aus den USA das Wort oder eben schilderte wie Kollegen deportiert werden und studierende Und allein das Wort erinnerte mich an historische Gegebenheiten wo ich sehr wach gerüttelt wurde Tese denken musste, die ich jetzt gerade ja noch mal zitiert hatte.
00:21:26: Du hast aber auch vor einigen Minuten gesagt für dich ist es wichtig wenn wir jetzt so über twenty-first century skills Skills for tomorrow und sowas reden erst mal eine zeit Diagnostik vorzunehmen.
00:21:38: Jetzt frage ich mich, die Zeitdiagnostik von Adorno kann man vielleicht einigermaßen nachvollziehen.
00:21:45: Wir schreiben das Jahr neunzehnhundertsechsundsechzig Die alte Bundesrepublik, die Radio-Vorträge diese beiden Publikationen, die daraus entstanden sind.
00:21:53: Was ist denn die Zeit Diagnostika von Tom Glö in diesem ganzen Konstrukt.
00:21:58: Jetzt außer die Tatsache, dass du sagst da wieder nochmal reingucken und die Publikation macht durchaus Sinn aber was ist deine Zeitdiagnostik?
00:22:06: Ich spitze es noch mal eine Stelle mehr zu vor allem wenn wir wissen das die aktuelle Generation von Studierenden ganz anders abzuholen auch du und ich als Studierende abzuholen waren.
00:22:22: Das sind Studierenden, die nach der Covid-IX-Pandemie nochmal verstärkt durch KI und AI, durch Digitalität – auch die Frage eben wofür eigentlich eine Beruflichkeit?
00:22:36: Warum mache ich eine Beruflichkeit?
00:22:37: Dieses dadurch erreiche ich irgendwas also wo alles anders… Ich will ja gar nicht sagen von allen aber doch anders diskutiert und in Frage gestellt wird.
00:22:48: irgendwann schon mal nach rechts gegriffen, wo das Buch liegt von Hartmut Rosa.
00:22:54: Was ich gerade lese zu Situation und Konstellation vom Verschwinden der Spielräume was ich im Diskurs mit deinen Thesen super spannend finde zu lesend, der das nämlich auch aufgreift in seinem Buch.
00:23:05: Und die Krise besteht im Kern darin so sagt er Ich zitiere dass viele Menschen die Hoffnung sich in der und durch die Arbeit handelnden selbst verwirklichen zu können aufgegeben haben.
00:23:17: Und das finde ich ist auch super spannend, wenn wir darüber denken Zeitdiagnostik und was heißt denn das für Hochschullehrer heute?
00:23:24: Ja.
00:23:25: Ich erwarte keine finale Antwort!
00:23:27: Wenn du die hättest könntest du persönlich oder das HDS damit glaube ich um die Häuser ziehen.
00:23:34: Das stimmt ja dass wäre schön.
00:23:36: naja also ich glaub schon dass nach wie vor Kerne aus dieser überlegung adornus eine Berechtigung heute haben.
00:23:47: Also wie wir eben schon gesagt haben, die Texte sind von sixundsechzigneunundsechszig.
00:23:50: seitdem ist natürlich technologisch viel passiert es auch was Erinnerungsarbeit angeht.
00:23:57: viel passiert aber das was er ja eigentlich kritisiert oder was der eigentlich seine überhaupt erst dass auslöst dass er sich aufs Objekt wendet und sagt Wir müssen bei den Subjekten ansetzen dass eben die gesellschaftlichen Verhältnisse sich erst mal so ein bisschen hermetisch zeigen und man da gar nicht unbedingt im Moment ran kann.
00:24:18: Das würde ich sagen stimmt schon, auch gerade eigentlich was Digitalisierung und KI angeht.
00:24:25: Da stehen wir glaube ich schon vor der Frage inwiefern sind wir in der Lage wirklich selbst das noch zu steuern?
00:24:37: Also für unsere Zwecke zu steuern und bewusst einzusetzen.
00:24:41: Inwiefern komme ich also das?
00:24:43: Ja, auch bei der technologischen Geschwindigkeit mit meiner eigenen Urteilsfähigkeit und Beurteilung der Tools sind daher sozusagen Und inwiefern schaffen wir das?
00:24:57: Das glaube ich ist bei KI und Digitalität an sich im großes Thema Technik zugunsten Der Verbesserung der liebensumständigen Menschen einzusetzen und nicht das scheinbar die Technik so einen Eigenleben entwickelt oder wir gar nicht mehr durchsteigen.
00:25:15: was macht die technik jetzt eigentlich.
00:25:18: Mit uns oder mit unserer Gesellschaft?
00:25:20: vielmehr vielleicht
00:25:22: ja und der Einsatz zu dass es dem menschen... Tom oder dem Menschen Claudia als Lehrende.
00:25:29: Damit gut geht, ist ja vielleicht auch noch was anderes als das, was die Studierenden... Also das ist ja eine wahnsinnig diverse große Diversität.
00:25:37: Was heißt das zu unserem Guten?
00:25:41: Oder zu unseren Gunsten einsetzen?
00:25:42: Du hattest auch die wunderbare These Acht!
00:25:44: war es bei dir dabei, das Verhältnis zur Technik ist zu einem undurchschauten Fetisch geworden.
00:25:50: Das könnte man ja heute glaube ich ganz gut an die
00:25:52: Wand schreiben?
00:25:53: Genau!
00:25:54: Ich habe sie jetzt nicht explizit genannt gerade aber darauf wollte ich ein bisschen hinaus oder die waren mir im Hinterkopf... Ganz genau also das ist eine These, die nach wie vor hochaktuelles würde ich sagen.
00:26:04: Wir sind dann auch in unserer Diskussion, das wollen wir ja den Zuhörern und Zuhörenden nicht vorenthalten.
00:26:09: Und du hast das eben immer schon wieder mit angedeutet.
00:26:12: ich fasse es jetzt nur noch mal zusammen weil unsere halbe Stunde tatsächlich gleich schon vorbei ist.
00:26:16: Wir haben viel über Selbstständigkeit und kritisches Denken geredet.
00:26:20: Was heißt das eigentlich mit einer Sozialisation in der alten Bundesrepublik, in der DDR?
00:26:30: In anderen europäischen Ländern aus denen Menschen in unserem Team sind oder auch international und die an unseren Hochschulen sind.
00:26:37: Also wie unterschiedlich sind wir auch sozialisiert?
00:26:40: was bringen wir da mit dass wir auch mit sowas wie Selbstständigkeit kritisch umdenken statt autoritäten Mehrheiten oder anderen Kontexten einfach blind zu folgen da anders mit umgehen.
00:26:54: Auch das war eine Diskussion, was heißt das mit internationalen Studierenden?
00:26:58: Was bringen die da eventuell an ganz anderen Erfahrungen mit auch dieses sich selber immer wieder zu hinterfragen und dann haben wir festgestellt, dass können wir glaube ich auch sagen, dass wir durchaus sehen, dass Mit einer gewissen Selbstverständlichkeit vielleicht heute auch in unseren Angeboten, in unserem Programm.
00:27:17: Auch in der Hochschullehre ja drin haben du hast vom Hochschulrahmengesetz ersten gesprochen von den Landesgesetzen auch wenn wir sehen wie heute Studiengänge gemacht werden bilden es um studierenden Partizipation geht und nicht einfach nur der Student als Aufnehmender von exzellentem Fachwissen oder auch übergeordneten Wissen von Lehrenden.
00:27:36: Da ist ja schon ganz viel da.
00:27:38: und trotzdem sich diese Brille wieder mal aufzusetzen, sich zu fragen warum es das da und schätzen wir das weit genug und gut genug ein oder können wir an gewissen Schrauben in diesem gesamten Bild noch drehen?
00:27:52: Das fand ich tatsächlich nochmal einen ganz spannender Moment an der Diskussion die wir mit den Kolleginnen hatten und die beide jetzt versucht haben ein bisschen in den Podcasts zu tragen.
00:28:03: Genau!
00:28:04: Also was dazu einfach gepasst, wenn die Zeit noch ganz kurz ist.
00:28:08: Eine der ich glaube die vierte Tese oder so dass Adorno dann eben sagt Erziehung wäre sinnvoll überhaupt nur als eine zur kritischen Selbstreflexion und dann das untermauert was das alles heißt und was es nicht heisst Und dass das tatsächlich ja keine banale Sache ist und auch Selbstbestimmung oder eine Fähigkeit zur Selbstbestimmung mit sich bringt, eine Bereitschaft zu nicht mitmachen erst den Kollektiven sehr skeptisch gegenüber.
00:28:35: Also genau!
00:28:36: Das ist vielleicht noch etwas was gerade in der Hochschulbildung eine Leitplanke sein könnte wenn man das will
00:28:44: Und da würde ich es jetzt inhaltlich auch fast schon stehen lassen, außer dass ich mir natürlich nicht vergreifen kann.
00:28:48: Dass ich als Bildungswissenschaftlerin mich auch viel damit beschäftigt habe.
00:28:52: Warum spricht er von Erziehung und warum sprechen wir heute oder ich heute viel lieber von Bildung?
00:28:58: Auch darüber könnte man sich glaube ich noch mal locker eine halbe Stunde unterhalten.
00:29:02: Wir kommen aber zum Ende auf jeden Fall dieser Folge.
00:29:04: vielleicht haben wir ja aber auch den einen oder die andere ein bisschen angeteasert mit unserer Diskussion heute.
00:29:10: Wenn das der Fall ist, melden Sie sich.
00:29:12: Meldet ihr euch gerne.
00:29:13: Wir nehmen auch gerne mit Kolleginnen und Kollegen weitere Folgen in diesem Themenspektrum auf und holen auch gern wie ein Drittes in diese Diskussionsrunde mit Tom und mir rein.
00:29:23: Ich mag die Folge aber nicht schließen, Tom ohne unsere klassische Abschlussfrage zu stellen durchaus ja zu dem passt, was wir hier gerade diskutiert haben.
00:29:32: Welche eine und wirklich nur eine Veränderung in der Lehre hätte für dich das größte Transformationspotenzial?
00:29:38: Und warum ist sie noch nicht realität?
00:29:42: Ja also da komme ich jetzt ein bisschen nicht... Also es kommt mir schlecht aus meiner Vorprägung des der Beschäftigung der Inhalte raus.
00:29:53: Was nicht tatsächlich stutzig gemacht hat dass eben, was ich ja gerade gesagt habe.
00:29:58: Dass die Fähigkeit zur Selbstreflektion und zum kritischen Denken ganz viel eingefordert wird bei Adorno.
00:30:07: Und wenn wir jetzt mal so überlegen, was auch aktuell in der Hochschullehrer evoke ist – es ist ja durchaus ... Kritisches Denken ist ja mit vielen Kompetenzrastern ein wichtiges Ding.
00:30:20: Da hab' ich mich so gefragt wie soll ich sagen, dieses kritische Denken wirklich so zu einer Entfaltung kommen zu lassen?
00:30:29: und das würde glaube ich einiges ändern.
00:30:34: Und dem kritischen Denk?
00:30:36: und warum ist es genau der zweite Teil der Frage?
00:30:38: Warum ist es noch nicht Realität?
00:30:39: Vielleicht fehlt im Moment ein bisschen die Zeit dafür.
00:30:46: Diese Ruhe diese Zeit zu nehmen, weil kritisch denken heißt ja auch auf Widerspruch und Widerspruch heißt Diskussionen.
00:30:51: Und Diskussionen sind anstrengend und da sind wir wieder da wo wir ganz am Anfang eingestiegen sind.
00:30:56: Demokratie und Kritisch Denk ist manchmal anstrecken kostet Zeit.
00:31:01: Und manchmal müssen das auch wieder lernen.
00:31:03: Genau
00:31:05: In diesem Sinne, lieber Tom.
00:31:06: Vielen herzlichen Dank für diese Premiere!
00:31:08: Es war mir eine große Freude mit dir mal nicht über das Curriculum der HDS oder unsere verschiedensten anderen Projekte zu reden sondern über Adorno.
00:31:18: Ich weiß nicht, ich könnte mir vorstellen dass ihm das gefallen hätte... ...dass das so weitergetragen wird.
00:31:25: Hoffen wir jedenfalls.
00:31:26: Keine Ahnung ob das ne Kategorie ist die für ihn wichtig gewesen wäre.
00:31:29: Vielen Herzlichen dank liebe Zuhörer, lieber Zuhörer, vielen herzigen Dank fürs Zuhören und bis ganz bald Tschüss!